Solarthermie: Monitoring und Alltagsfragen

Die Solarthermie-Installation ist vorüber. Und die Freude darüber, dass die Sonne das Wasser für die morgendliche Dusche erwärmt, wird bald zur Gewohnheit. Jetzt beginnt der Alltag mit Solarthermie.

Für Sie als Hausbesitzer bedeutet das, sich um eine regelmäßige Wartung der Solarthermieanlage zu kümmern und die Erträge zu kontrollieren (Monitoring). Außerdem sollten Sie die Regelung der Anlage im Auge behalten und den eigenen Lebensumständen anpassen. In manchen Fällen wird ein Solarthermie-Putz anstehen. Und es kann sinnvoll sein, die Solarthermieanlage gegen Schäden zu versichern. Mit unseren Tipps sind Sie für alle großen und kleinen Alltagsfragen rund um die Solarthermie gewappnet und Ihre Anlage kann gute Erträge bringen. Das schont Ihre Haushaltskasse und das Klima.

  • SolardachCheck

    In nur 5 Minuten individuell berechnen: Ist Ihr Hausdach für Photovoltaik oder Solarthermie geeignet? Rentiert sich der Einbau einer Solaranlage? Mit Tipps und Infos zu Fördermitteln.

    Jetzt Ratgeber starten

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • mit Monitoring Erfolg kontrollieren und technische Störungen erkennen
  • Wärmemengenzähler liefern genaue Ertragswerte
  • Regelung schrittweise an eigene Bedürfnisse anpassen
  • Anlage jährlich inspizieren und aller drei bis fünf Jahre warten lassen
  • laufende Kosten: 100 bis 200 Euro pro Jahr

So prüfen Sie den Erfolg Ihrer Solarthermieanlage

Um den Erfolg einer Solarthermieanlage zu prüfen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: eine Funktionskontrolle und eine Ertragskontrolle. Die Funktionskontrolle wird in der Regel von Handwerkern oder Hausbesitzern mit Solarthermie-Erfahrung übernommen. Auch der Solarwärme-Check der Verbrauchzentrale Energieberatung ist eine gute Möglichkeit dafür. Den Ertrag hingegen kann jeder Hausbesitzer mit geringem Aufwand selbst prüfen und so den Erfolg der Solarthermieanlage kontrollieren. Das Stichwort lautet hier „Monitoring von Solarthermie“.

Was ist das Monitoring einer Solarthermieanlage?

Beim Monitoring einer Solarthermieanlage werden regelmäßig Daten zu den Erträgen der Anlage gesammelt und ausgewertet. Der Betreiber erfährt, wie viel Sonnenenergie die Anlage nutzbar machen kann. Mögliche Störungen lassen sich schnell erkennen und beheben.

Der Praxistest Solarthermie und viele Pilotprojekte zum Solarthermie-Monitoring zeigen, dass sich der kleine Aufwand der Ertragskontrolle lohnt. Schließlich kann es wie bei allen technischen Anlagen auch bei Solarthermie zu Funktionsstörungen kommen. Das Problem dabei: Im Solarthermie-Störfall springt oft unbemerkt das Hauptheizsystem ein. Dem Hausbesitzer fällt also gar nicht auf, dass die Solarthermieanlage nicht funktioniert. Genau das passierte beispielsweise Praxistesterin Anja Kucharzik.

Im August 2016 wurde die Solarthermieanlage bei den Kucharziks eingebaut. Die Familie dachte, alles sei in Ordnung. Doch die Messwerte zeigten, dass der Heizenergieverbrauch nicht abnahm, sondern sogar größer wurde. Außerdem lieferte der Zähler für den Solarertrag keine Werte. Anfangs hatte das Praxistest-Team zwei Vermutungen dafür: Es könnte einen Fehler bei der Installation der Messtechnik fürs Monitoring geben und die Kucharziks nutzen ihre Zusatzheizung, einen Kaminofen, seltener als bisher. Beim Prüfen vor Ort wurde allerdings ein Problem mit der Solarpumpe festgestellt. Seitdem der Fehler behoben ist, liefert die Anlage gute Erträge, wie das Monitoring zeigt.

Für das Monitoring einer Solarthermieanlage gibt es verschiedene Möglichkeiten; die Übergänge von der einfachen Monitoring-Standardvariante bis zum Hightech-Monitoring für Profis sind fließend. In allen Fällen ist eine gute Dokumentation der Daten wichtig, zum Beispiel mit dem Energiesparkonto.

Monitoring: Anja Kucharzik mit der App EnergieCheck

Erfahrungsbericht Praxistesterin Anja Kucharzik

„Unser Monitoring zeigte, dass wir nach dem Einbau der Solarthermieanlage einen höheren Gasverbrauch hatten als vorher. Aber gerade im Winter weiß man ja nicht auf den ersten Blick, woran das liegt. Es könnte ja auch sein, dass es einfach kälter ist als im Vorjahr. Jedenfalls war mehrmals ein Monteur zur Nachkontrolle der Anlage da. Und schließlich wurde festgestellt, dass etwas mit der Solarpumpe nicht stimmte; bis zum dem Zeitpunkt hatte die Solaranlage noch keinen Liter warmes Wasser an den Speicher geliefert. Das ist natürlich ärgerlich. Aber umso besser, dass wir den Fehler durch unser Monitoring bemerkt haben.“

Einfaches Monitoring von Solarthermie

Das erste und einfachste Monitoring für Solarthermie ist der Vergleich der Energierechnungen vor und nach dem Einbau der Anlage. Im Jahr nach dem Einbau sollten Energieverbrauch und Heizkosten deutlich gesunken sein. Besser ist es, wenn Hausbesitzer regelmäßig den Zählerstand an ihrem Hauptheizsystem ablesen und die Werte notieren. Denn so lassen sich wesentlich schneller Erfolge und Probleme erkennen. Dafür ist das kostenlose Energiesparkonto empfehlenswert. Im Energiesparkonto lassen sich Verbrauch und Kosten nicht nur eintragen, sondern auch mit anderen Haushalten vergleichen. So können Sie Ihre Daten langfristig dokumentieren und behalten jederzeit einen guten Überblick.

Die reine Auswertung des Energieverbrauchs funktioniert allerdings nicht so gut, wenn neben der Solarthermieanlage auch ein neuer Heizkessel eingebaut wurde. Denn dann lässt sich kaum unterscheiden, welche Einsparung auf das Konto des neuen Kessels geht – und welche durch die Solarthermie erzielt wird. Den tatsächlichen Erfolg der Solarthermieanlage können Hausbesitzer deshalb immer im Sommer kontrollieren. Dann nämlich sollten sie ihre Heizungsanlage abschalten und das benötigte Trinkwasser ausschließlich von der Solarthermieanlage erwärmen lassen. Die Solarthermieanlage erfüllt ihre Aufgabe dann, wenn Sie genug warmes Wasser zum Duschen haben, ohne dass der Heizkessel läuft.

Zusätzlich können Hausbesitzer für das Monitoring von Solarthermie die internen Auswertungsfunktionen des Solarreglers nutzen. Die meisten Regler bieten heutzutage eine Übersicht über die solaren Tageserträge der vergangenen Woche und den jährlichen solaren Gesamtertrag. Dabei sollten Sie beachten, dass es sich bei diesen Anzeigen meist um Simulationen und nicht um genaue Messungen handelt. Bei Praxistester Carsten Mönkemeyer zum Beispiel zeigt der Regler einen etwa 30 Prozent höheren solaren Ertrag, als durch die Wärmemengenzähler gemessen wird.

Viele Solarregler zeigen nicht nur Erträge, sondern weitere Werte an: die Kollektortemperatur, die Temperatur im oberen und unteren Speicherteil sowie die Betriebsstunden der Solarpumpe. Wenn der Solarregler einen Datenlogger oder eine Schnittstelle besitzt, lassen sich die Messdaten am Computer auswerten. Dies gehört allerdings schon zu einem komplexeren Monitoring von Solarthermie.

Solarthermie-Monitoring für Profis

Der Anspruch an ein professionelles Solarthermie-Monitoring sind genaue Messdaten, die in regelmäßigen Abständen erhoben und ausgewertet werden. Dafür müssen zusätzliche Messgeräte in den Solar- und Heizkreislauf eingebaut werden. Für den Praxistest Solarthermie beispielsweise wurde ein komplexes Monitoring-Konzept mit einem Gas-Smart-Meter, bis zu vier Wärmemengenzählern sowie einem Kaltwasserzähler entwickelt und jeweils an die verschiedenen Testhaushalte angepasst.

Ein Gas-Smart-Meter ist ein „intelligenter Gaszähler“, der alle Verbrauchsdaten elektronisch erfassen, speichern und übertragen kann. Damit sind tagesgenaue Auswertungen des Gasverbrauchs möglich. So können Hausbesitzer Sparerfolge zeitnah beobachten – und auch mögliche Fehlfunktionen der Anlage sehr schnell erkennen; wesentlich schneller als mit der Auswertung der jährlichen Abrechnung.

Wärmemengenzähler werden manchmal auch Wärmezähler genannt oder mit WMZ abgekürzt. Ihre Aufgabe ist es, Wärme zu zählen. Dafür messen sie den Volumenstrom des Wärmeträgers sowie die Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf. Das bedeutet:

  • Volumenstrom: Wie viel Flüssigkeit strömt in einer bestimmten Zeit durch den Zähler?
  • Temperaturdifferenz: Wie groß ist der Temperaturunterschied zwischen der heißen Flüssigkeit, die zum Beispiel vom Kollektor zum Speicher fließt und der abgekühlten Solarflüssigkeit, die vom Speicher wieder zum Kollektor fließt?

Schritt für Schritt zur Solarthermie

Unser Leitfaden zeigt Ihnen, worauf Sie bei Planung und Installation von Solarthermie achten sollten.

Zum Online-Leitfaden

Beim Praxistest haben die Wärmemengenzähler folgende Daten gemessen:

  • die Energie, die vom Kollektor in den Speicher fließt (Brutto-Solarertrag)
  • und die Energie, die vom Heizkessel und gegebenenfalls von der Solaranlage in die Heizkreise abgegeben wird.

Zudem wird bei einer Anlage der Netto-Solarertrag direkt gemessen, also jener Ertrag, der der Anlage abzüglich von Speicherverlusten tatsächlich zu Gute kommt.

Um eine gute Datengrundlage für das Solarthermie-Monitoring für Profis zu erhalten, sollten Wärmemengenzähler nach der Installation wöchentlich abgelesen werden. Später genügt ein monatlicher Rhythmus. Beim Praxistest wurden Wärmemengenzähler eingebaut, die ihre Daten per Funk übertragen können. So ist ein Import der Verbräuche ins Energiesparkonto möglich, wo die Daten ausgewertet werden.

Der beim Praxistest Solarthermie eingesetzte Kaltwasserzähler misst den Warmwasserverbrauch des Haushalts, also wie viel kaltes Trinkwasser vom Heizkessel und gegebenenfalls von der Solaranlage erwärmt wird.

Zusätzlich können beim Solarthermie-Monitoring auch sogenannte Strahlungssensoren zum Einsatz kommen. Sie ermitteln exakt, wie viel Sonnenstrahlung auf dem Dach ankommt. Lässt sich ein Strahlungssensor in die Solarregelung einbinden, kann die Anlage zudem effizienter geregelt werden. Denn ein solcher zusätzlicher Strahlungssensor registriert nutzbare Sonnenstrahlung genauer als die üblichen Kollektorfühler, die lediglich die Temperatur messen.

Thomas Funcke an der geöffneten Solarstation

Erfahrungsbericht Praxistester Thomas Funcke

„Ich empfehle jedem Hausbesitzer, bei der Installation einer Solarthermieanlage mindestens einen Wärmemengenzähler im Solarkreis einbauen zu lassen. Damit kann man schön ablesen, welche Energie in den Solarspeicher gefördert wurde. Und man hat immer eine visuelle Kontrolle, wenn die Anlage ‚läuft‘.“

Funktion der Anlage kontrollieren: Solarwärme-Check der Verbraucherzentrale

Sind die Kollektorfühler korrekt befestigt? Läuft die Solarpumpe optimal? Lohnt es sich, die Ein- oder Ausschaltdifferenz anzupassen? Die Funktion einer Solarthermieanlage in allen Details zu kontrollieren ist nicht leicht – selbst für Solarthermie-erfahrene Hausbesitzer. Deshalb sollten Sie einen unabhängigen Experten zu Rate ziehen. Eine gute Möglichkeit: der Solarwärme-Check der Verbraucherzentrale Energieberatung.

Beim Solarwärme-Check kontrolliert ein Energieberater zunächst die Solarthermie-Installation und alle Einstellungen der Anlage; außerdem schließt er einige Messgeräte an. Nach ein paar Tagen holt er die Geräte wieder ab und wertet die Daten aus. Vier Wochen später erhält der Hausbesitzer einen standardisierten Kurzbericht über die Kontrolle. Das ist zwar kein ausführliches Gutachten, zeigt aber Schwachstellen der Anlage und gibt konkrete Tipps, wie die Effizienz verbessert werden kann. Der Solarwärme-Check kostet 40 Euro; für einkommensschwache Haushalte ist er kostenfrei.

Beim Praxistest Solarthermie wurde die Funktion aller installierten Anlagen mit dem Solarwärme-Check geprüft. Bei allen konnten die Energieberater den Praxistestern wichtige Hinweise geben, um die Anlage zu optimieren.

  • Am häufigsten waren Rohrleitungen, Armaturen und Anschlüsse nicht vollständig gedämmt. Das führt zu unnötigen Energieverlusten.
  • Oft fehlten wichtige Unterlagen zur Dokumentation der Solarthermieanlage – oder sie waren nicht vollständig. Damit werden Kontrolle und Wartung einer Anlage erschwert.
  • Bei manchen Anlagen waren Komponenten nicht installiert, die für den sicheren Betrieb einer Anlage wichtig sind: eine Ablaufleitung für die Solarflüssigkeit oder ein Verbrühungsschutz.

Erfahrungsbericht Praxistester Carsten Mönkemeyer

„Der Energieberater der Verbraucherzentrale hat mir empfohlen, die Einstellungen der Warmwasserbereitung zu ändern. Der Heizkessel sollte das Wasser nicht schon morgens um 6 Uhr aufheizen, sondern besser am späteren Nachmittag. So hat die Solarthermieanlage den ganzen Tag über die Möglichkeit, die notwendige Wärme zu erzeugen. Falls die Sonnenenergie nicht ausreicht, kann dann die Gasheizung am Nachmittag nachheizen. Wird der Speicher hingegen schon am Morgen teilweise von der Heizung aufgeheizt, kann er für diesen Teil keine Sonnenenergie mehr aufnehmen. Vor allem an heißen Tagen können dadurch Erträge verloren gehen.“

Auswertung Praxistest: Welchen Ertrag bringt Solarthermie?

Die erste Auswertung des Praxistests Solarthermie zeigt: Mit Solarthermie lassen sich gute Erträge erzielen. Das ist zumindest bei den meisten Praxistest-Anlagen der Fall. Spitzenreiter ist Praxistester Christoph Kniehase. Die 12 Quadratmeter Röhrenkollektoren seiner Anlage für Heizung und Warmwasser sammeln pro Jahr etwa 5.250 Kilowattstunden. Das entspricht einer jährlichen solaren Deckungsrate des Wärmebedarfs von 24 Prozent. Bei den Anlagen für Warmwasser erzielte Praxistester Manfred Kuhlemann die höchsten solaren Gewinne. 1.350 Kilowattstunden Sonnenenergie sammeln seine fünf Quadratmeter Flachkollektoren pro Jahr. Die solare Deckungsrate für Warmwasser liegt bei 60 Prozent.

Diese Daten lassen sich auch den Werten des Qualitätslabels Solar Keymark gegenüberstellen. Der Vergleich zeigt, dass die im Labor ermittelten Kollektorerträge in der Praxis zwar nicht erreicht werden – aber auch nicht völlig überzogen sind. Einige mögliche Gründe für die Abweichung: die Ausrichtung der Kollektoren, ungünstiges Wetter oder ein zu kleiner Speicher, der im Sommer nicht alle Erträge der Kollektoren aufnehmen kann.

Kollektorjährliche Erträge Praxistest (Hochrechnung)jährliche Erträge laut
Solar Keymark Datenblatt (75°C / 50°C)
12 Vakuum-Röhrenkollektoren JVK 120-2 CPC5.250 kWh6.640 kWh / 8.268 kWh
2 Flachkollektoren auroTHERM VFK 145 H 1.350 kWh1.266 kWh / 2.198 kWh

Zur Praxistest-Realität zählt aber auch, dass es bei manchen Anlagen anfangs erhebliche technische Probleme gab. Diese Probleme haben den Solarertrag nicht nur gemindert – in Einzelfällen wurde monatelang keine einzige Kilowattstunde Sonnenergie gesammelt. Als Hausbesitzer sollten Sie deshalb unbedingt regelmäßig die Erträge Ihrer Solarthermieanlage kontrollieren und den Solarwärme-Check der Verbraucherzentrale nutzen.

Der Unterschied zwischen Solar-Brutto und Solar-Netto

Die Besonderheit beim Monitoring des Praxistests: Es wurden nicht nur solare Brutto-Erträge sondern auch solare Netto-Erträge gemessen beziehungsweise berechnet. Dafür wurden jeweils Wärmemengenzähler vor und nach dem Wärmespeicher oder dem Heizkessel eingebaut.

  • Solarertrag brutto (Solar-Brutto) bezeichnet in diesem Fall die Menge an Sonnenenergie, die die Kollektoren sammeln und in den Solarspeicher einspeisen.
  • Solarertrag netto (Solar-Netto) heißt: Wie viel Kilowattstunden Sonnenenergie kommen tatsächlich im Heizsystem an? Schließlich geht ein Teil der gesammelten Energie durch den vergleichsweise großen Solarspeicher wieder verloren.

Für Praxistest-Familie Kniehase ergibt das folgendes Ergebnis für Solar-Brutto und Solar-Netto:

Anlage Familie KniehaseMesszeitraum
1. Januar bis 31. Mai 2017
Erdgasverbrauch (Heizwert)11.178 kWh
Solarertrag brutto3.092 kWh
Summe Input14.270 kWh
Verbrauch Heizkreis und Warmwasser12.136 kWh
Solarertrag netto (gemessen)2.642 kWh
Speicherverluste Solarspeicher450 kWh
Solare Deckungsrate brutto (Solar-Brutto)22 %
Solare Deckungsrate netto (Solar-Netto)19 %

Bei den Anlagen mit alleinstehendem Solarspeicher konnten die Speicherverluste direkt gemessen werden. Bei den Anlagen, bei denen der Speicher ins Heizsystem integriert ist, wurden die gemessenen Verluste gewichtet. Das heißt: Es wurden je nach Speichergröße nur zwei Drittel oder die Hälfte der Speicherverluste der Solarthermie zugerechnet. Schließlich würden die Anlagen auch ohne Solarthermie einen Speicher benötigen, wenn auch einen weitaus kleineren.

Solare Erträge und Deckungsraten im Vergleich

Solarthermieanlagen miteinander zu vergleichen, ist im Grunde nicht möglich – denn jede Anlage ist individuell an einen Haushalt angepasst. Ob große solare Erträge und hohe Deckungsraten tatsächlich den Erfolg einer Anlage zeigen, hängt davon ab, wie diese Anlage konzipiert wurde. Auch die eingesparte Heizenergie ist nur selten ein echtes Erfolgskriterium – schließlich resultiert in vielen Fällen ein Teil der Einsparung aus dem Einbau eines neuen Heizkessels oder anderen energetischen Sanierungen. Die folgende Tabelle ist deshalb eher eine Aufzählung von Beispielen und weniger ein Vergleich oder gar ein Ranking. Dabei wurden die Messwerte vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Mai 2017 auf das gesamte Jahr 2017 hochgerechnet. Die Erträge der Monate Juni, Juli und August wurden auf Basis des Warmwasserverbrauchs angesetzt.

Hochrechnung für 2017
Praxistestersolarer Ertrag bruttosolare Deckungsrate
brutto / netto
Einsparung
Heizenergie
andere energetische
Maßnahmen
Thomas Funcke3.100 kWh12 % / 6 %21 %Reglung des alten Kessels über Solarthermieanlage, hydraulischer Abgleich
Jochen
Hein
keine plausiblen Daten54 %Kesseltausch, Fußbodendämmung, teilweiser Fenstertausch
Christoph Kniehase5.250 kWh24 % / 21 %53 % Kesseltausch und Fassadendämmung
Manfred Kuhlemann1.350 kWh60 % / 59 %*31 %Kesseltausch
Carsten Mönkemeyer4.200 kWh15 % / 6 %17 %Kesseltausch
Jan
Rutz
1.900 kWh17 % / 16 %37 %Kesseltausch

* Die solare Deckungsrate bezieht sich auf den Warmwasserverbrauch.

Amortisationszeit: Rechnet sich Solarthermie?

Der Praxistest Solarthermie zeigt: Die Frage nach der Amortisationszeit von Solarthermie ist nur schwer zu beantworten. Damit sich eine Anlage rechnen kann, muss sie gut dimensioniert und fehlerfrei installiert sein. Wie lang es dann dauert, bis sich eine solche Anlage tatsächlich amortisiert, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von

  • dem Anlagentyp,
  • der Effizienz der Anlage,
  • den individuellen Verbrauchsgewohnheiten (insbesondere ein sparsamer Warmwasserverbrauch mindert den Ertrag),
  • der Entwicklung der Energiepreise.

Bei der Frage, ob sich Solarthermie rechnet, spielen die Energiepreise eine ganz besondere Rolle. Denn der Einfluss eines Solarthermie-Nutzers darauf ist gering – im Gegensatz zum Einfluss auf die anderen Faktoren. Bleibt zum Beispiel der Preis für Erdgas stabil oder sinkt er sogar, werden es viele Anlagen schwer haben, sich bezahlt zu machen. Wer in seiner Wirtschaftlichkeitsberechnung jedoch eine Erhöhung der Gaspreise annimmt, erhält ein ganz anderes Ergebnis. Das wird besonders bei der der Anlage von Praxistest-Familie Funcke deutlich. Abhängig von der angenommenen Preisentwicklung ergibt die Wirtschaftlichkeitsberechnung der neuen Heizung mit Solarthermie nach 20 Jahren Betriebszeit eine deutliche Differenz: entweder einen „Verlust“ von 4.600 Euro oder einen „Gewinn“ von 200 Euro.

Anlage Familie FunckeSzenario 1Szenario 2
Investitionskosten11.500 Euro
Förderung BAFA2.350 Euro
jährliche Energieeinsparung
(Brennwert)
4.650 kWh
Erdgaspreis4,9 ct/kWh
jährliche Energiepreissteigerung0 %7 %
Einsparung in 20 Jahren4.550 Euro9.350 Euro
Finanzierungsrahmen
(Einsparung plus Förderung)
6.900 Euro11.700 Euro
Gewinn/Verlust nach 20 Jahren
- 4.600 Euro+ 200 Euro

 

Der Wirtschaftlichkeitsvergleich der Praxistest-Anlagen in der untenstehenden Tabelle zeigt eine sehr positive Bilanz für die Anlagen von Jochen Hein und Christoph Kniehase. Diese kommt allerdings nicht nur durch die Solarthermie zustande, sondern vor allem durch den damit verbundenen Heizkesseltausch. Und zwar deshalb, weil die alten Kessel für die Familien jeweils deutlich überdimensioniert waren. Damit lässt sich ein weiterer wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines Kesseltauschs mit Solarthermie benennen – die Effizienz der alten Heizanlage. Positiv formuliert: Hausbesitzer, die von einer besonders ineffizienten alten Heizanlage auf einen modernen Brennwertkessel mit Solarthermie umsteigen, haben gute Chancen, dass sich ihre Investition auch finanziell bezahlt macht.

 

Praxistester*InvestitionWirtschaftlichkeit nach 20 Jahren
Szenario 1Szenario 2
Thomas Funcke
Solarthermie
11.500 Euro- 4.600 Euro+ 200 Euro
Jochen Hein
Solarthermie und Kessel
15.000 Euro+ 26.700 Euro+ 67.800 Euro
Christoph Kniehase
Solarthermie und Kessel
ca. 20.000 Euro+ 3.700 Euro+ 26.000 Euro
Manfred Kuhlemann
Solarthermie und Kessel
ca. 11.500 Euro- 5.400 Euro0 Euro
Jan Rutz
Solarthermie und Kessel
ca. 15.000 Euro- 6.600 Euro- 400 Euro

* Für Sabine Haider, Anja Kucharzik, Carsten Mönkemeyer und Carsten Tamm fehlen Daten für diese Auswertung.

 

Die Gewinn-und-Verlust-Spannen der Praxistest-Beispiele zeigen: Viele Solarthermieanlagen rechnen sich, wenn die Energiepreise steigen. Dafür gibt es jedoch nur Prognosen. Deshalb sollte die Frage nach der Amortisationszeit von Solarthermie kein alleiniges Entscheidungskriterium für oder gegen eine Anlage sein.

Schließlich gibt es in Sachen Solarthermie viele Argumente, die weniger strittig sind als die Amortisationszeit. Zum Beispiel bietet Solarthermie langfristig Versorgungssicherheit. Nach der anfänglichen Investition liefert eine Solarthermieanlage viele Jahre lang Energie zu sehr geringen laufenden Kosten. So holen sich Hausbesitzer ein Stück Unabhängigkeit zurück. Und nicht zuletzt: Solarthermie vermeidet tonnenweise klimaschädliches CO2 und schützt damit das Klima.

Wie viel CO2 wird durch Solarthermie vermieden?

Wird in einem Haushalt Heizenergie eingespart, sinken auch die Emissionen des klimaschädlichen Kohlendioxids. Da verschiedene Energieträger verschiedene CO2-Emissionswerte haben, ist die CO2-Minderung durch Solarthermie abhängig vom Hauptheizsystem. Die mit Abstand häufigsten Energieträger fürs Heizen in Deutschland sind Erdgas und Heizöl.

  • CO2-Emissionen Erdgas: 0,25 kg/kWh
  • CO2-Emissionen Heizöl: 0,32 kg/kWh

Das bedeutet: Bei Ölheizungen mit Solarthermie ist die CO2-Minderung im Schnitt größer als bei Gasheizungen mit Solarthermie, weil Öl eine schlechtere Klimabilanz hat. Wer Solarthermie einbauen möchte, sollte grundsätzlich den gleichzeitigen Umstieg auf einen klimafreundlicheren Energieträger prüfen.

Wie viel CO2 vermieden wird, lässt sich beim Praxistest Solarthermie für sechs Anlagen auswerten. Das Ergebnis: In den Praxistest-Haushalten entstehen pro Jahr insgesamt 18.000 Kilogramm weniger CO2. Das ist eine jährliche CO2-Minderung von durchschnittlich 3.000 Kilogramm pro Haushalt. Dabei muss allerdings ergänzt werden, dass in den meisten Fällen zusätzliche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Ein Großteil der CO2-Minderung entfällt deshalb vermutlich auf den Einbau von neuen Heizkesseln oder andere Sanierungsmaßnahmen und nicht allein auf Solarthermie.

Praxistesterjährlicher Verbrauch
vorher
jährlicher Verbrauch
nachher
Einsparungjährliche
CO2-Minderung
Thomas
Funcke
19.600 kWh15.400 kWh4.200 kWh1.050 kg
Jochen
Hein
66.800 kWh30.900 kWh35.900 kWh9.000 kg
Christoph
Kniehase
36.500 kWh17.000 kWh19.500 kWh4.850 kg
Manfred
Kuhlemann
16.500 kWh11.800 kWh4.700 kWh1.200 kg
Carsten
Mönkemeyer
27.000 kWh24.800 kWh2.200 kWh550 kg
Jan
Rutz
14.700 kWh9.300 kWh5.400 kWh1.350 kg

Regelung der Solarthermieanlage anpassen

Solarthermieanlagen haben eine standardisierte Werkseinstellung, wenn sie eingebaut werden. Diese Einstellung sollte der Monteur am Ende der Installation auf die individuellen Gegebenheiten des Hauses und die Bedürfnisse der Hausbewohner anpassen. Leider stellen manche Handwerker die Regelung der Solarthermieanlage so ein, dass sie auf keinen Fall wiederkommen müssen – das heißt, sie verwenden Wohlfühlparameter, die die Komfort-Wünsche der Hausbewohner in jedem Fall abdecken. Das mag komfortabel sein, hat aber nichts mit einer effizient laufenden Anlage zu tun.

Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll, die eingestellten Werte im Lauf der Zeit anzupassen und zu verfeinern. Denn erst der Alltag zeigt, ob eine theoretisch gefundene Regelung der Anlage wirklich praxistauglich ist. Hausbesitzer sollten mit ihrem Handwerker deshalb zusätzliche Einstellungstermine oder zumindest eine telefonische Beratung vereinbaren.

Wenn die Regelung der Solarthermieanlage in die der Heizanlage integriert ist, kann es mehrere Monate dauern, bis die optimalen Einstellungen gefunden sind. Schließlich muss die gesamte Anlage für den Winter, die Übergangszeiten im Frühling und Herbst sowie für den Sommer angepasst werden. Zudem sollten die verschiedenen Parameter wie Warmwassertemperatur, Vorlauftemperatur oder Drehzahlregelung der Solarpumpe möglichst einzeln verändert werden, um zu sehen, welchen Einfluss sie haben.

Heizanlage mit Solarthermie im Keller

Erfahrungsbericht Praxistester Thomas Funcke

„Am längsten hat es gedauert, die Einstellung für die Heizungsvorlauftemperatur zu finden. Dafür sind ja auch verschiedene Wetterbedingungen notwendig. Im Winter war das gar nicht so schwer – aber im Frühjahr, in der Übergangsphase. Draußen ist es nicht mehr so richtig kalt, trotzdem muss die Heizung manchmal laufen. Da hab ich Rücksprache mit meinem Monteur gehalten und ein bisschen gebastelt, bis ich die richtige Feinabstimmung gefunden hatte. Natürlich hätte ich auch einfach alles auf volle Leistung stellen können – aber dann wäre auch der Verbrauch entsprechend gestiegen.“

Solarthermie per App regeln

Viele Solarthermieanlagen können heute per App geregelt werden. Diese Funktion nutzt beispielsweise Praxistester Carsten Mönkemeyer. Er nimmt die meisten Einstellungen an der Anlage per Smartphone vor. Eine solche App-Regelung ist nicht nur bequem. Sie hat auch den Vorteil, dass Solarthermie-Besitzer jederzeit prüfen können, wie ihre Anlage momentan arbeitet. Auch die Praxistester Jan Rutz und Thomas Funcke regeln die Solarthermie per App.

Erfahrungsbericht Praxistester Carsten Mönkemeyer

„Auf die Regelung kann ich nur innerhalb unseres Hauses zugreifen. Zuletzt habe ich die Einstellungen von der Terrasse aus mit dem Smartphone geändert. Das ist schon sehr bequem. Von außerhalb kann ich jederzeit den aktuellen solaren Ertrag und die Historie sehen. Wenn sich also ein Kollege in der Mittagspause für meine Solarthermieanlage interessiert, kann ich ihm auf dem Smartphone genau zeigen, wie viel Wärme die Anlage heute produziert hat.“

Sicherer Betrieb von Solarthermie durch regelmäßige Inspektion und Wartung

Autobesitzer bringen ihr Fahrzeug ganz selbstverständlich regelmäßig zur Inspektion in die Werkstatt. Entweder um weiterhin Anspruch auf alle Garantieleistungen zu haben oder weil der TÜV fällig ist. Besitzer einer Solarthermieanlage sollten es ähnlich machen. Es gibt zwar keine gesetzlichen Vorgaben zur Solarthermie-Wartung – trotzdem ist die regelmäßige Kontrolle der Anlage durch einen Fachmann sinnvoll. Nicht nur um die Garantieansprüche zu behalten, sondern auch um einen sicheren, effizienten Betrieb der Anlage zu gewährleisten. Entsprechend empfiehlt der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) Hausbesitzern, ihre Solarthermieanlage jedes Jahr inspizieren zu lassen. Alle drei bis fünf Jahre sollte eine umfangreichere Wartung durchgeführt werden. Die meisten Praxistester haben dafür einen Wartungsvertrag abgeschlossen.

Jährliche Inspektion von Solarthermie

Die jährliche Inspektion der Solarthermieanlage sollte laut BDH mit dem Entlüften der Anlage beginnen. Anschließend wird geprüft, ob Anlagendruck und Volumenstrom den vorgegebenen Sollwerten entsprechen. Ist dies nicht der Fall, muss der Fachhandwerker das Membranausdehnungsgefäß und das Sicherheitsventil prüfen. Zur Inspektion gehört auch ein pH-Wert-Test der Solarflüssigkeit. Zudem wird die Funktion von Solarpumpe, Rückschlagventil und Verbrühungsschutz gecheckt. Am Solarregler führt der Monteur eine Betriebskontrolle durch und prüft, ob die anzeigten Werte plausibel sind. Alle Ergebnisse sollten für den Hausbesitzer dokumentiert werden.

Alle drei bis fünf Jahre: Wartung der Solarthermieanlage

Jede Solarthermieanlage sollte alle drei bis fünf Jahre gewartet werden. Bei dieser Solarthermie-Wartung wird die Anlage von oben bis unten in den Blick genommen. Das heißt: Neben den Inspektionsarbeiten überprüft der Monteur alle Verbindungen, Anschlüsse und Armaturen. Er wirft einen Blick auf die Kollektoren und kontrolliert, ob sie sicher befestigt sind und es sichtbare Schäden gibt. Er untersucht die gesamte Solarleitung und begutachtet die Dämmung auf mögliche Schäden. Auch der Speicher sollte bei dieser Gelegenheit entsprechend den Herstellerangaben gewartet werden.

Jochen Hein vor seiner Heizanlage

Erfahrungsbericht Praxistester Jochen Hein

„Ich habe einen Wartungsvertrag für die gesamte Anlage – also die Heizung und die Solarthermie. Die Wartung findet einmal im Jahr statt und kostet insgesamt 300 Euro. 65 Euro davon sind pauschal für die Solarthermieanlage veranschlagt. Dazu gehört zum Beispiel ein Check der Solarwärmeerträge und der aufgelaufenen Fehlermeldungen; außerdem wird die Anlage entlüftet und der pH-Wert der Solarflüssigkeit gemessen. Alle zwei Jahre wird auch der Warmwasserspeicher gereinigt; die Pauschale dafür beträgt 75 Euro.“

Thomas Funcke vor seinem Haus in Hagen

Erfahrungsbericht Praxistester Thomas Funcke

„Der Solarmonteur hat uns gesagt, dass die Anlage relativ wartungsfrei ist. Das liegt auch daran, dass sie einen selbsttätigen Entlüfter hat. Außerdem verfügt die Solarregelung über verschiedene Überwachungsfunktionen, sodass eine Fehlermeldung erscheinen würde, wenn etwas nicht stimmt. Nur die Solarflüssigkeit muss regelmäßig geprüft und getauscht werden. Dabei wird die Flüssigkeit abgelassen, die Anlage gespült und anschließend neu gefüllt.“

Laufende Kosten von Solarthermieanlagen

Sonnenenergie ist gratis – deshalb haben Solarthermieanlagen auf den ersten Blick geringe laufende Kosten. Hausbesitzer müssen lediglich den Strom für die Solarpumpe bezahlen. Im Jahr sind das meist höchstens 30 Euro. Doch zu den laufenden Kosten von Solarthermieanlagen zählen neben den Stromkosten auch Kosten für

  • Wartung,
  • Versicherung,
  • Reinigung und
  • Reparaturen.

Die laufenden Kosten für Wartung und Versicherung einer Solarthermieanlage lassen sich gut abschätzen. Sie liegen insgesamt bei etwa 100 bis 200 Euro pro Jahr. Welche Kosten für Reinigung oder Reparaturen entstehen, ist vom Einzelfall abhängig.

Solarthermie-Versicherung

Nach der Installation der Solarthermieanlage entscheiden sich viele Hausbesitzer dafür, ihre Anlage zu versichern. Schließlich sind die Investitionskosten nicht gering – und ein Schaden an der Anlage, die über viele Jahre laufen soll, wäre mehr als ärgerlich. Das größte Risiko dafür ist das Wetter: Die Kollektoren können durch starken Hagelschlag oder einen Blitzeinschlag beschädigt werden. Ebenso können Tiere Schäden an den Kollektoren und den Leitungen verursachen.

Natürlich gibt es viele verschiedene Angebote für spezielle Solarthermie-Versicherungen. Die Kosten liegen dafür bei etwa 100 Euro jährlich. Verbraucher sollten jedoch darauf achten, dass sie ihre Anlage nicht doppelt versichern. Manchmal ist die Solarthermieanlage bereits über eine Hausrat-, Glas- oder Gebäudeversicherung mitversichert. Um sicherzugehen, sollten Sie bei Ihrer Versicherung nachfragen. Mitunter kann die Solarthermieanlage in eine bestehende Versicherung eingetragen werden – entweder kostenlos wie bei Praxistester Thomas Funcke oder mit geringen Mehrkosten wie bei Praxistesterin Anja Kucharzik.

Röhrenkollektoren auf einem Dach

Erfahrungsbericht Praxistester Thomas Funcke

„Unsere Solaranlage ist nicht eigenversichert. Wir haben sie in die Gebäudeversicherung eintragen lassen. Darin ist alles versichert, was fest mit dem Haus verbaut ist. Wenn allerdings Schäden durch die Anlage selbst entstehen, sind diese nicht versichert. Abgesehen von einem normalen Wasserschaden, der ebenfalls über die Gebäudeversicherung abgedeckt ist.“

Mann auf Dach schließt Solarkollektor an

Erfahrungsbericht Praxistesterin Anja Kucharzik

„Wir haben unsere Solarthermieanlage versichert. Dafür haben wir unsere bestehende Gebäudeversicherung aufgestockt – das sind rund 30 Euro Mehrkosten im Jahr.“

Solarthermie reinigen: Müssen Kollektoren geputzt werden?

Handwerker schraubt Solarleitung ab.

Ob Vogelkot oder Laubblätter, Ruß oder Staub – Solarkollektoren können auf verschiedenste Weise verschmutzt sein. Trotzdem muss eine Solarthermieanlage in der Regel nicht gereinigt werden. Schließlich werden die Kollektoren meist kostenlos von Wind, Regen und Schnee gesäubert. Diese natürliche Solarthermie-Reinigung ist allerdings nicht immer ausreichend. Entweder, weil die Kollektoren in einem geringen Neigungswinkel installiert sind. Oder, weil bei Röhrenkollektoren Laubblätter zwischen den Röhren kleben bleiben. Hausbesitzer sollten deshalb während der jährlichen Inspektion bei ihrem Solarhandwerker nachfragen, ob eine Putzaktion sinnvoll ist. Bei Praxistester Jochen Hein ergab der Solarwärme-Check der Verbraucherzentrale, dass der Kollektor gereinigt werden muss.

Falls Sie den Kollektorenputz selbst vornehmen wollen, verwenden Sie keine Reinigungsgeräte mit scharfen Kanten. Damit könnten Sie die Oberfläche der Kollektoren beschädigen. Aus dem gleichen Grund sollten auch Hochdruckreiniger und aggressive chemische Reinigungsmittel gemieden werden. Erlaubt hingegen sind für das Reinigen der Kollektoren beispielsweise ein weicher Besen oder ein nasser Lappen. Dabei sollten Sie am besten mit kalkarmem Wasser putzen, damit es keine Flecken auf den Kollektoren gibt. Regenwasser eignet sich hervorragend.

Ein guter Zeitpunkt zum Reinigen der Solarthermie-Kollektoren ist immer dann, wenn die Sonne nicht oder nicht so stark scheint: morgens, abends oder an einem bewölkten Tag. Besonders wichtig ist, dass Sie bei der Reinigung an die eigene Sicherheit denken. Sollte sich der Schmutz nicht auf einfache Weise beseitigen lassen, geben Sie besser eine professionelle Reinigung bei einem Solarthermie-Spezialisten oder einem erfahrenen Gebäudereiniger in Auftrag.

Alltagsprobleme mit Solarthermie

Eine fachmännisch installierte, qualitativ hochwertige Solaranlage bringt ohne großen Wartungsaufwand viele Jahre gute Erträge. Dieses Versprechen geben viele Solarthermie-Hersteller und Solarthermie-Enthusiasten gleichermaßen. Der Praxistest Solarthermie zeigt aber, dass eine Solarthermieanlage im Alltag durchaus Probleme machen kann – ganz so wie jedes technische Gerät. Fast bei allen Praxistest-Familien gab es im Zuge der Installation oder im Nachhinein kleinere oder größere Probleme mit der Solarthermieanlage. Dabei ist oft nicht gleich nachvollziehbar, wo die Ursache liegt. Empfehlenswert sind deswegen:

So sind Sie für den Alltag mit Solarthermie gewappnet, können Schwachstellen regelmäßig kontrollieren und bei Problemen entweder schnell selbst reagieren oder Ihren Solarthermie-Handwerker um Rat bitten. Dazu kommt: Je früher Probleme im Alltag entdeckt werden, desto eher vermeiden Sie Schäden und können Korrekturen und Reparaturen im Rahmen der Gewährleistung oder Garantie anstoßen. Später können auch Reparaturkosten entstehen.

Familie Funcke aus Hagen

Erfahrungsbericht Praxistester Thomas Funcke

„Wir hatten die Solarleitung schon lange vor der Solarthermie-Installation vorsorglich verlegt. Bei der Installation kamen die Kollektoren dann an eine andere Position, als wir uns das vorgestellt hatten. Deshalb musste das vorhandene Rohr mit einer Verschraubung verlängert werden. Diese Verschraubung war nach einem Jahr etwas undicht. Der Monteur hat sie nachgezogen – damit war es getan. Allerdings konnten wir nicht feststellen, ob sich die Verschraubung aufgrund von Wärmedifferenzen selbst gelockert hat oder sie von Anfang an nicht fest war. Das kontrollieren wir jetzt noch.“

Heizanlage im Badezimmer

Erfahrungsbericht Praxistester Jochen Hein

„Bei unserer Anlage war der Durchfluss der Solarflüssigkeit zu gering. Die Anlage hat sich immer ab einer bestimmten Einstrahlung abgeschaltet. Es gab eine Störungsmeldung, die ich quittieren konnte. Den Fehler hatten wir vor zwei Jahren schon mal, da wurde er vom Hersteller behoben. Jetzt hat meine Installationsfirma zwei, drei Anläufe für die Reparatur gebraucht. Das hat etwa 150 Euro gekostet.“

Solarthermieanlage entlüften

Die meisten Solaranlagen müssen regelmäßig entlüftet werden, damit sie effizient laufen und einen hohen Ertrag bringen. Deshalb ist die Entlüftung Bestandteil der jährlichen Inspektion. Ausgenommen davon sind lediglich Anlagen mit automatischer Entlüftung und sogenannte Drain-Back-Anlagen beziehungsweise rücklaufgeführte Anlagen.

Luft in einer Solaranlage kann zu verschiedenen Problemen führen. Im besten Fall sinkt lediglich die Effizienz der Anlage; etwa weil die Solarflüssigkeit nicht mehr richtig umgewälzt wird oder Luftblasen das Anspringen der Solarpumpe verhindern. Im schlechtesten Fall kann die gesamte Installation Schaden nehmen. Wenn nämlich die Solarflüssigkeit aus einem Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel besteht, kann sie langfristig durch den Sauerstoff in der Luft zersetzt und zerstört werden. Dabei entstehen möglicherweise Verklumpungen, die das gesamte Solarsystem irreparabel schädigen.

Solche Probleme lassen sich durch regelmäßiges Entlüften verhindern. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten; diese haben auch damit zu tun, wie der Solarkreis befüllt wird. Nimmt der Handwerker eine „Druckbefüllung“ mit einer leistungsstarken Pumpe vor, reduzieren sich die Luftanteile in der Solarflüssigkeit von vornherein bereits auf ein Minimum. In solchen Fällen genügen meist automatische oder handbetriebene Luftabscheider vor oder hinter dem Wärmetauscher.

Wird die Anlage jedoch mit einem geringen Druck befüllt, zum Beispiel mit einer Hand- oder Bohrmaschinenpumpe, müssen an den höchsten Stellen des Solarkreises Entlüfter eingebaut werden. Bei einer solchen Installation sollte die Anlage auf jeden Fall einmal jährlich von einem Fachmann entlüftet werden.

Nachdem die Solarthermieanlage erfolgreich entlüftet wurde, kann die Wärme wieder besser vom Kollektor zum Speicher transportiert werden. Das bedeutet: Die Anlage arbeitet effizienter als vorher. Außerdem überhitzt der Kollektor nicht so schnell.

Stagnation einer Solarthermieanlage

Praxistest Solarthermie: Indach-Montage von Kollektoren.

Als Stagnation wird der Zustand einer Solarthermieanlage bezeichnet, bei dem sich die Solarflüssigkeit so stark erhitzt, dass sie verdampft. Dies geschieht üblicherweise, wenn der Solarspeicher gefüllt ist und es weiterhin eine hohe Sonneneinstrahlung gibt. In solchen Fällen schaltet sich die Solarpumpe ab. Die Solarflüssigkeit wird nicht mehr aus dem Kollektor transportiert und verdampft im Kollektor. Die Stagnation tritt häufiger bei Solarthermieanlagen zur Heizungsunterstützung auf. Sie ist ein normaler Betriebszustand einer Solarthermieanlage. Nach einer Abkühlungsphase geht die Anlage vom Stillstand automatisch zum Normalbetrieb über. Natürlich können auch technische Defekte oder ein Stromausfall eine Stagnation auslösen.

Obwohl die Stagnation prinzipiell unkritisch ist, kann ein häufiger Stillstand der Solarthermieanlage dazu führen, dass die Solarflüssigkeit schneller altert – nämlich dann, wenn die Solarflüssigkeit aus einem Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel besteht. In diesem Fall beginnt bei der Überhitzung der Anlage eine langsame Zersetzung der Solarflüssigkeit. Dieser Prozess läuft umso schneller ab, je mehr Sauerstoff sich im Solarkreis befindet. Mögliche Sauerstoffquellen sind Luft im Solarkreis und Zunder, der während der Installation durch Löten entstanden ist.

Für einen sicheren Betrieb muss regelmäßig der Alterungszustand der Solarflüssigkeit geprüft werden. Dafür wird bei der jährlichen Inspektion der pH-Wert der Solarflüssigkeit gemessen. Liegt er im alkalischen Bereich (über 7,0) ist alles in Ordnung. Liegt der pH-Wert im sauren Bereich, muss die Solarflüssigkeit getauscht oder gefiltert werden. Um die Lebensdauer der Solarflüssigkeit zu verlängern, sollten Handwerker den Systemdruck der Solaranlage gut auf das Gebäude abstimmen. Außerdem ist es wichtig, die Anlage regelmäßig zu entlüften.

Übrigens: Bei rücklaufgeführten Anlagen („Drain-Back-Anlagen“) wird die Stagnation vermieden, da sie nicht vollständig mit Flüssigkeit gefüllt sind.

Haus mit Solarthermie und Photovoltaik auf dem Dach

Erfahrungsbericht Praxistester Thomas Funcke

„Unsere Anlage ist im vergangenen Sommer vielleicht acht Mal in Stagnation gegangen. Das passiert hauptsächlich dann, wenn es drei, vier sehr sonnige Tage nacheinander gibt und die Heizungsanlage nicht mehr läuft, weil es warm ist. Da verringert sich die Wärmeabnahme. Wir erwirtschaften mehr Wärme als wir brauchen. Dann schaltet sich die Anlage ab. Im Prinzip merken wir nichts davon, die Anlage reguliert sich von selbst. Ich sehe das nur, wenn ich auf den Wärmemengenzähler schaue – und der sich nicht dreht, obwohl die Sonne scheint.“

Solarthermie-Lebensdauer

Ob sich der Einbau einer Solarthermieanlage finanziell lohnt oder nicht, hängt vor allem auch davon ab, wie lange die Anlage läuft. Die Lebensdauer von Solarthermieanlagen beträgt in der Regel mindestens 20 Jahre. Entsprechend wird auch bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen üblicherweise ein Zeitraum von 20 Jahren angesetzt. Die Stiftung Warentest hält eine Lebensdauer von 25 Jahren für realistisch. Hersteller sprechen davon, dass die meisten Anlagen auch noch nach 30 Jahren ohne Probleme laufen. Voraussetzung für eine solche Solarthermie-Lebensdauer ist natürlich eine korrekte Installation – und eine regelmäßige Wartung.

weiter

  • SolardachCheck

    In nur 5 Minuten individuell berechnen: Ist Ihr Hausdach für Photovoltaik oder Solarthermie geeignet? Rentiert sich der Einbau einer Solaranlage? Mit Tipps und Infos zu Fördermitteln.

    Jetzt Ratgeber starten